Montag, 5. Oktober 2015

Tag 132, hier vor 4 Jahren

Liebe Menschen,
gestern Abend habe ich den Wecker erst auf halb 9 gestellt, da ich heute eine gemütliche Wanderung vor mir hatte mit 23 Kilometern (lt. Wanderführer - ich glaube, es waren weniger). Meine innere Uhr ist leider schon so gut getimed, dass um spätestens 6:45 Uhr die Nacht vorbei ist. Die Strecke an sich kenne ich schon von vor 4 Jahren.
Damals bin ich völlig untrainiert im Gehen von Kobersdorf nach Lockenhaus, von dort an einem Tag nach Klein-Tschater, wo ich mich auch heute befinde und am Abend waren die (Muskel-)Schmerzen im rechten Hüftbereich so arg, dass die 6 Stufen zum Halbstock kaum noch überwindbar waren. Erkennend, dass an ein Weitergehen nach Jennersdorf am nächsten Tag nicht möglich sein würde, ließ ich mir die Busfahrzeiten geben und schlurfte Richtung Kohfidisch. Der Schmerz, der mit jedem Schritt stärker zurückkehrte, bestätigte, dass ich gut beraten war, den Bus zu nehmen. Da ich noch Zeit hatte, holte ich noch etwas Proviant im Dorfladen und erkundigte mich nach der Straßenseite meiner Bushaltestellen. Ich solle mich dort hinstellen, sagte bzw. zeigte man mir. Ich war froh, dass dort eine Bank stand und war der Meinung, mich 5 Minuten vor der ausgewiesenen Ankunftszeit zu erheben, sollte reichen. Das tat ich dann auch und so stand ich 25 Minuten später noch immer da. Langsam dämmerte mir, dass wohl einer der zwei Busse, die an mir (noch sitzend) vorbeigefahren waren, meiner gewesen sein musste - mit Verführung, oder wie soll man das nennen? Der Buschauffeur hatte mich im Vorbeifahren noch so komisch angeschaut. Seitdem weiß ich, im Burgenland muss man in Bordsteinschwalben-Manier auf den Bus warten. :-P
In meiner Ratlosigkeit bin ich dann den Weg angetreten: 17 Kilometer bis Güssing! Im Wald auf dem unebenen Boden war's schon ekelhaft, in Punitz kam ich nach einer Pause kaum vom Boden hoch und die lange endlose Gerade entlang der Straße war kaum auszuhalten. Mein Gang war vergleichbar mit meiner alten Vespa kurz vorm "Aureiwa" (wie haßt des auf Gscheit?), der Blick anfangs verzweifelt, irgendwann apathisch am Ende des Tunnels, durch den er fieberte, festgeklebt. Die Körperhaltung wie die eines Verprügelten. Da hätte ich mich gefreut über den Freund und Helfer in der schwarzen Limousine. Damals waren die Menschen aber entweder nicht so verängstigt oder nicht so paranoid. Auch, wenn ich nicht mehr ganz fit bin, so wild wird die Strecke diesmal sicher nicht, noch dazu, wo ich wahrscheinlich Besuch bekommen werde. :)
Heute hatte ich also Gelegenheit die Natur und die Felder zu genießen. Es war angenehm warm, sodass mein ansonsten schnell fröstelnder Körper nie nach der Jacke verlangte. Die Rapsfelder stehen noch und peppen die sonst zumeist schon  braunen Felder herrlich auf. Auch Mini-Sonnenblumen gibt es noch und sogar einen Löwenzahn hab ich entdeckt, der mich an meinen Start erinnert hat. Wahnsinn, ist der weit weg! Beim Rasten muss ich so ruhig gewesen sein, dass eine Rehgeiß mit zwei schon jugendlichen Kitzen in ca. 5 Metern Entfernung an mir vorbeigelaufen ist. Zurzeit verwöhnt mich Mutter Natur's Busen mit Hasel- und Walnüssen sowie gelegentlich Äpfel. Bei Trauben bin ich zurückhaltend wegen dem Spritzmittel (wenn ich sie nicht abwaschen kann). Die Brombeeren sind leider recht sauer. Die Chance eine Süße zu erwischen liegt bei 1:8 - nach achtmal Gesichtverziehen kommt einmal "Mmmh". ;)
In Eisenberg - das ist ein nettes Weinbaudörfchen am Hügel mit vielen kleinen Kellerstöckeln - bin ich beim Buschenschank eingekehrt und hab ein Riesenbrot und Traubensaft genossen und nebenher die umliegenden Tische belauscht. Der jungen Dame am Doppeltisch sei gesagt: Bei der Verwandschaft heiraten sie besser heimlich irgendwo weit weg! ;)
Liebe  Grüße auch an den betrunkener Markierwart, der (zumindest kurzfristig) völlig ohne nachvollziehbare Richtung Farbstricherl auf Baumstämme gekleckst hat bis ich keine weiteren mehr gefunden hab. Der hat in Eisenberg wohl mehr auf Vergorenes gesetzt. ;)
Hergefunden hab ich dann trotzdem und freu mich auf einen erholsamen Ruhetag. :)
Alles Liebe,
carmen

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