Montag, 31. August 2015

Tag 98, Ballast abgeworfen

Liebe Menschen,
was gibt's zu berichten? Wie fast überall in Österreich: Heiß war's sogar vormittags als ich 2Std. durch einen riesigen Forst gegangen bin. Die gestrige Nacht: Zuerst bis 23 Uhr Kinder, die Wirbel gemacht haben, dann hab ich mir beim Lüften eine surrende Untermieterin eingefangen (im Nachhinein betrachtet nichts gegen die Unzähligen heute), ziemlich warm, die Straße in unmittelbarer Nähe. Dafür war ich dann gar nicht so kaputt wie ich hätte sein müssen.

Tag 97, das Kammeradenlied für OÖ

Liebe Freunde des Metzgergewerbes,
die Nacht war okay trotz Dorffest und Beschallung. Ich hab noch mit Steph beim Telefonieren gescherzt, dass mich um Mitternacht ein Feuerwerk hochschrecken lassen wird. Hatte nicht Recht - es war um 23 Uhr. Ich habs im Halbschlaf wahrgenommen, in mich rein gelacht und nach vermutlich mehreren Minuten fiel mir ein, dass ich ja mein "Türl" aufmachen könnt um rauszuschauen. Nicht sehr beeindruckend - bis ich mich besann, dass ich Kategorie Maulwurf bin und die Brille ertastete...

Samstag, 29. August 2015

Tag 96, von der Schlachtbank zum See

Liebe Menschen,
ich bin am Obertrumer See gelandet - mit dem einzigen Makel, dass ich keine Badesachen mithab.
Aber erst mal vom Beginn: Mein ausgewachsener Riesenrucksack mit Schlachtgewicht hat mich bereits in Salzburg fast der Notschlachtung zugeführt. Positiver Nebeneffekt: Man wird nach mitleidigem Blick freundlich gegrüßt - das hebt auch ein bisschen die Stimmung. ;)

Tag 95, ab nun mit Zelt

Liebe Menschen,
der Abstieg von der Zeppezauer Hütte war steil und schon morgens schwül und somit kniezerrend und schweißtreibend. Sehr viele Salzburger kamen mir entgegen - ganz anders als bisher, wo am Berg oft ausschließlich Urlauber aus Deutschland oder den Niederlanden anzutreffen waren. Salzburg zeigte sich gleich von seiner sympathischen Seite. Im Nah&Frisch gab's gleich ein  nettes Plaudern. Entlang eines Baches wurde gebadet, gesurft und gespielt.

Freitag, 28. August 2015

Tag 94, der letzte Berg

Liebe Menschen,
heute hab ich mich um halb 9 in Richtung Stöhrhaus aufgemacht. Die letzte Nacht hab ich mit einer Gelse in einem zu warmen (trotz geöffnetem Fenster) und zu weichen Bett verbracht. Schon die morgendlichen Temperaturen ließen einen heißen Tag erahnen.
Ab Maria Gern und dem Parkplatz etwas weiter oben waren einige Menschen in die selbe Richtung unterwegs. Entweder hat mich die Aussicht, bald das Flachland zu erreichen oder der Elektrolytgehalt des Kokosnusswassers so beflügelt. Vielleicht bin ich auch einfach schon megafit. ;)

Donnerstag, 27. August 2015

Tag 93, auf einsamem Pfad durchs Steinerne Meer

Liebe Menschen,
nachdem meine Lagergenossinnen in ihrer Angst nächtens zu erfrieren ihr Familienoberhaupt dazu anstifteten den Ofen anständig zu befeuern und dann zu Furien wurden als ein anderer Lagerschläfer die Tür zu lange offen hielt, fand ich mich damit ab eine "ungewohnte" Nacht vor zu haben. Zu meinem Glück hatte ich das Bett am gekippten Mini-Fenster - leider oben. Nach endlosem Hin- und Herwälzen lag ich auf dem Seidenschlafsack mit fast nichts am Körper und versuchte mich zu erinnern wie ich die Tropennächte in meiner Wohnung immer hinter mich gebracht hatte.

Dienstag, 25. August 2015

Tag 92, Premiere im Notlager

Liebe Menschen,
heute hat mich der Regen geweckt und kaum verlassen den ganzen Tag über.
Der erste Abschnitt über Forststraßen war ziemlich angstbesetzt, weil da wegen Forstarbeiten gesperrt war. Allerdings hatte mich ein Mann aus dem Auto raus vorgewarnt und gemeint, die Maschinen seien noch nicht da, und das würde sich wohl ausgehen.

Tag 91, am Fluss im Fluss

Liebe Menschen,
nachdem ich heute eine kurze Etappe vor mir hatte und zudem ein ruhiges Platzerl (also Zimmer), hab ich beschlossen, nicht so zeitig aufzubrechen und stattdessen wieder mal Hypnose anzuwenden. Sollte ich ohnehin öfters nutzen, aber solang die Qual nicht allzu groß ist, fehlt mir anscheinend die Motivation. Gut, leidgeplagt bin ich grad auch nicht, aber ich wollt mal mein Glück versuchen, da mich die dauernd geschwollenen Fußballen schon ziemlich  nerven. War eine gute Trance. Ob's so gut wirkt, wie gegen den Ausschlag, wird sich zeigen. ;)

Sonntag, 23. August 2015

Tag 90, Fanny und der Märchenwald

Liebe Menschen,
heute bin ich erst sehr spät aufgebrochen, da ich von Fanny - auf angenehme Weise - aufgehalten wurde. Fanny ist die erste weitwandernde Frau, die ich kennen gelernt habe. Außerdem schreibt sie ihre Masterarbeit, etwas abgekürzt und von mir banal formuliert, zum Thema "wandern".

Samstag, 22. August 2015

Tag 89, viele nette Gespräche

Liebe Menschen,
ich bin heute stark gegen den Strom geschwommen - nämlich gegen den der Wanderer und Kletterer, die alle Richtung Wilden Kaiser stürmten. Ich für meinen Teil war nicht zu halten auf meinem Trip "nach unten" nur um dann eine Stunde lang entlang der Straße Richtung Kirchdorf regelmäßig ins Gras um mein Leben zu springen. In Kirchdorf gab's dann eine lange Pause, in der ich telefonierte und über alles Mögliche plauschen konnte,  sogar ein bisschen was Psychologisches war dabei. Schön war's Herwig! Danke! :)

Freitag, 21. August 2015

Tag 88, kurze Begleitung zum Kaiser

Liebe Menschen,
der gemütliche Tag gestern hat wohltuende Spuren hinterlassen! :)
Das Gehen war heut sowieso durch Stephs Begleitung bis zum Hans-Berger-Haus erleichtert. Das einzig Bremsende war, dass ich wie ein Wasserfall geredet hab und mich dann kurzfristig der Atemnot hingeben musste.
Das Kaisertal ist mit seinen beeindruckenden Felswänden zum Wilden Kaiser hin sehenswert. Ich glaube, ich hab eines der letzten Lagerplätzchen am Stripsenjochhaus bekommen - irgendwo in der Mitte.
Auf vielen Hütten hab ich in der letzten Woche das Gefühl gehabt, dass das Personal das Saisonende schon herbeisehnt. Viele wirkten übermüdet, gesättigt oder einfach genervt. Hier merk ich davon nichts. Alle sind sehr nett und die Dame an der Rezeption hat mir, der Zigtausendsten hier, alles ganz nett erklärt - so als wäre heute den ersten Tag geöffnet. Sehr angenehm!  :)
Hab gerade Nachricht bekommen von Besuch im September - da freu ich mich schon auf euch 2 Mädels! Das ist schon wieder ein kleiner Motivationsschub. :)
Ab morgen gibt es wieder "normale Etappen" - nicht so entspannt wie gestern und heute. Damit was weitergeht! ;)
Stefan, Andi, Hans oder sonstige Weitwanderer, die den 01er kennen: Vom Straubinger Haus kann man entweder über Waidring und die Schmidt-Zabierow-Hütte oder über die Loferer Alm nach Lofer gehen. Gibt's da Empfehlungen oder Wissenswertes dazu?
Ich wünsche euch einen schönen Abend und schick euch ein paar von den herrlich warmen Sonnenstrahlen, die mich hier grad aufwärmen!
Alles Liebe,
carmen

Donnerstag, 20. August 2015

Tag 87, Regeneration in Kufstein

Liebe Menschen,
heute nur ganz kurz: Ich erhole mich. Bin zur Zeit oft sehr müde und heute nur das kleine Stück bis nach Kufstein zu gehen war sicher besser als mich weiter zu schleppen.
So hatte ich viel Zeit Steph alles Mögliche zu erzählen, gemütlich zu essen und mal zu genießen nicht den ganzen Tag in den Schuhen zu stecken.
Morgen geht's weiter.
Bis demnächst und alles Liebe!
carmen

Mittwoch, 19. August 2015

Tag 86, the road is long

Liebe Menschen,
bis auf die Tatsache, dass ich in den Pensionen immer fast im Schlaf einen Hitzekollaps erleide, weil die Decken so unglaublich warm sind für den Sommer, war der Schlaf gut nachdem ich mitten in der Nacht den Überzug vom Rest trennte und damit gut gekühlt weiterschlief. Aufgrund des trüben Wetters wollt ich am Morgen aber nicht so recht raus aus den Federn.
Beim Packen versuchte ich mein Wischdings in das Brillensackerl zu quetschen, und kurz darauf griff ich zu den Wanderstöcken, als ich zum Frühstück einen Stock tiefer ging. Ein Schaltkreis litt da wohl doch noch an Überhitzung.
Misserfolge zu vergessen hat Vorteile, aber ein Nachteil ist, dass man Fehler wiederholt. So hab ich wider besseren Wissens meine Socken nicht klug aufgehängt und "durfte" sie zum Frühstück trocken tragen. :-/
Am Frühstückstisch erlangte ich endlich Klarheit über das Gestammel am Telefon über Brot, das ich nicht verstanden hatte, als ich um ein freies Zimmer anfragte.  In dem Ort gibt es kein Geschäft und so konnte kein weiteres Brot mehr besorgt werden für mich - den zusätzlichen Gast. Das gut gemeinte "Tuan's nur anständig essen" konnte ich bei 2 Semmeln im Körbchen nur ansatzweise erfüllen, aber immerhin gab's ein Ei. :) Selbst die Bachstelze vor dem großen Fenster im schönen Garten schien durch's Gras staxend zu meinen: "Schau, es ist ganz leicht! Da is a Käferl, und da ein Körnchen und da und da und dort drüben erst... ". Nur die Gartenzwerge lächelten verständnisvoll und mitfühlend zu mir rein.
Am Kaiserhaus war ich zu Mittag und nutzte das gleich um was zu essen. Beim Gehen ist das so eine Sache. Schwere Kost geht nicht, dann komm ich nicht voran und der Bauchgurt erdrückt mich fast. Somit wählte ich folgendes vorzügliches Menü: Fritattensuppe, Beeren-Topfen-Torte, Tasse grüner Tee und Glas Buttermilch. Bitte jetzt in den Spiegel schauen - ziemlich genau so hat mich auch die Kellnerin angesehen bei der Bestellung. ;)
Allen Blicken zum Trotz erwies sich die Wahl als langstreckentauglich. Auch wenn die Tafel was von 3 Std. zum Thiersee phantasierte, befürchtete ich, dass gerade diese Zeitangabe (die man hier zumeist sowieso vergeblich sucht) nicht stimmen konnte für ein Wegstück von 19km. Ich behielt leider Recht. :-/
Den größten Teil dieser Strecke ging ich - wie schon am Vormittag - im leichten Regen, aber nun mit Musik. Der Weg war wenig spektakulär durch einen Graben bzw. ein Tal.
Lieber Mario, danke für die sechs zusätzlichen Songs. I sag nur:"A fiiiiiiil gud - DöröDöröDöröDö..." :-D
Es war dann schlussendlich sehr weit und hat sich auf den Schotterwegen endlos dahingezogen - unterbrochen nur durch regelmäßiges Ausleeren der Schuhe, wenn an sämtlichen Stellen schon Steinchen drückten.
Ich hatte Glück und hab fast am Weg ein Zimmer bekommen. Ich wurde mit einem Likör begrüßt - was das bei einem ausgehungerten, an Alkohol nicht gewöhnten Körper bewirkt, kann man sich sicher vorstellen... eine koordinatorische Herausforderung! ;)
Ich freu mich sehr auf den morgigen Besuch aus dem Basecamp und die kurze Begleitung und muss mich jetzt wie immer ausschlafen. :)
Alles Liebe
carmen

Dienstag, 18. August 2015

Tag 85, Touränderung für den Tempel

Liebe Menschen,
gestern Abend war ich mal in einem Restaurant in Pertisau - da es regnete und der Großteil meiner Kleidung und meine Wanderschuhe im Trockenraum (mit Schuhtrockner!!! :) ) hingen, nahm ich den kürzesten Weg und landete im Restaurant "Erika". Wer mal nach Pertisau kommt, sollte dort die Kokos-Karotten-Ingwer Suppe kosten - zum "einileg'n"! Alles andere war auch sehr köstlich.
Heute morgen bin ich spät losgekommen - Frühstück erst ab 8 Uhr, dafür reichhaltig im Bergheim. Unentschlossen bzgl. Wetter und körperlicher Verfassung trödelte ich durch den Ort, stürmte schon rein aus Prinzip die Post um wieder eine Wanderkarte nach Hause zu schicken und diskutierte mit der Dame von der Touristeninfo meine Möglichkeiten. Ich hab mich für den Weg am westlichen Ufer des Achensees entschieden. Nach einer Stunde beschloss ich, den Entschluss gut zu heißen. Ich war recht matt, die Gipfel des Rofan befanden sich fast den ganzen Tag in Wolken (also, hätt ich wieder nix gesehen) und der Achensee bot mit seinem herrlichen dunklen Türkis einen wunderschönen Anblick. Am Steig waren viele Urlauber unterwegs - natürlich war ich deshalb so langsam ;) und weil ich allen das Grüßen lerne! :-P
Schon ein bisschen schade, dass ich den Rofan nicht überschritten hab, aber heute hätte ich es nicht geschafft und morgen ist nochmal Regen angesagt. Und nachdem ich meinem eigentlichen Motto "Mein Körper ist mein Tempel" derzeit eh nur schwer gerecht werde, war heute mal Schonung eine gute Option, denke ich.
Allerdings ist jetzt in Steinberg am Rofan die Versorgung mit Essbarem erschwert, da das einzige Gasthaus am Dienstag Ruhetag hat. Somit gab's bisher ein Packerl Manner Schnitten, eine Tafel weiße Rittersport mit Haselnüssen, 2 Kaminwurzerl, einen Traubenzucker, ca. 25 Mandeln dazwischen verteilt und eine Vitaminkapsel. "As Leb'n is hoat in die Berg!". Jetzt weiß ich, warum ich immer lieber mehr im Proviantsackerl hab als nötig wäre. ;)
Ich werde sehr oft gefragt, wie weit ich schon gegangen bin. Keine Ahnung! Ich will das nicht so genau wissen, da ich lieber in dem Glauben bleib, dass ab Salzburg alles flott geht. ;) So ähnlich wie der Patric Grüner, der 2. beim Race Around Austria 2014 und 2015 - der wollte die ersten beiden Tage seine Position auch nicht wissen. Manchmal ist es besser so. ;)
Ich widme meine Aufmerksamkeit nun einem leckeren Müsliriegel und vielleicht noch ein paar Cashews und Cranberries bevor ich eine Dehneinheit einleg. Eventuell noch eine Vitaminmangel mit dem Risiko hier der Völlerei bezichtigt zu werden.

Ich bin draufgekommen, dass ich mit 9h Schlaf leicht aufsteh morgens und versuch das jetzt so oft wie möglich zu bekommen.
Also, auch euch einen erholsamen Schlaf und falls ihr grad was Leckeres esst, lasst es euch schmecken! Es ist nicht für jeden selbstverständlich auf dieser Welt - und damit mein ich jetzt gar nicht mich...
Alles Liebe
carmen

P.S.: Liebe Barbara, Salzburg rückt näher, eventuell passt es für dich schon dieses Wochenende. Hast du mein SMS vom Freitag bekommen?

DANKE!

Mario und Steph,
herzlichen Dank für die Musik! Ihr tragt damit wesentlich zu meiner weiterhin guten Laune bei. :)
Mario steigt auf zum Sportpsychologen, Steph wie gehabt: der beste Basecamp-Organisator!
Nochmals vielen lieben Dank!!
Wer trotzdem noch gute Musik zum Antreiben im Ärmel hat: Her damit! ;)
Alles Liebe,
carmen

Montag, 17. August 2015

Tag 84, Regen - Steinschlag - Trance

Liebe Menschen,
Regen heute den ganzen Tag - in verschiedenen Tropfengrößen und Mengenverhältnissen. Leider habe ich von den Lalidera Klettergebieten nichts gesehen. :-(
Bis zur ersten Alm waren Schuhe und Jacke ziemlich nass. Ich red mir mal ein, dass die neue Jacke innen nass war, weil ich geschwitzt hab. Die Schuhe aus Leder lassen nun mal durch, wenn man sie nicht wachst.
Also: nass, nebelig, kaum Menschen. Cooler Zufall: vor dem Bins-(oder doch Pins-) Sattel - die Taferl waren sich nicht einig - fand ich ein alpines Kleeblatt auf rund 1900 Meter und als ich es eingesteckt hatte, gab's einen ziemlich ausgiebigen Steinschlag ca. 50 Meter hinter mir. War nicht am Weg, aber ich konnte die 10 bis 25 cm großen Stücke über den Hang springen sehen. Einer reicht da aus um jemanden auszuknocken. ^^
Der Abstieg war dann wieder etwas rutschig und den Spazierweg im Flachen bis nach Pertisau hab ich in Trance verbracht. Einer meiner Lieblingsfilme "Dancer in the Dark" mit Björk inspiriert dazu. Die fast blinde Hauptfigur lässt Geräusche ineinander verschmelzen und Musik entstehen. Bei mir waren es die Tropfen auf der Kapuze, das Rascheln der Regenkleidung und die Schritte im Schotter. Sehr faszinierend, was sich da für Klänge und Rhythmen ergeben. :)
All die Weisheiten, die sich mir aufgetan haben auf dem langen Weg, sind mir leider wieder entfallen. So wie ich auch sonst schon einiges verloren hab mittlerweile - zuletzt mein Taschenmesser nachdem ich vorgestern ein Schweizer Messer gefunden hab. Lustiger Zufall! :)
Für weitere Ausführungen bin ich schon zu müde.
Ich wünsche euch alles Liebe und falls es regnet: Fühlt den Rhythmus, genießt den Beat und kreiert euren Sound! :)
carmen

Tag 83, Seniorenabzocke der Extraklasse

Liebe Menschen,
gestern bin ich nach dem langen Marsch beim Telefonieren schon fast eingeschlafen - somit über 9 Std. geschlafen und mal wieder ganz leicht aufgestanden. :) Spätestens als mir die betagte Dame 35€ für das ungeputzte Minizimmer abknöpfte, wäre ich aber auch nach der miesesten Nacht putzmunter gewesen. Da standen sie und verlangten eine Menge Geld für etwas, das es nicht wert war. Auf mein quietschendes "35 Euro?" antwortete die 82-Jährige taff: "Is z'billig?".

Samstag, 15. August 2015

Tag 82, Musik und Quartier gesucht

Liebe Menschen,
mein Doping für lange Strecken heißt Musik. Ich bin heute früh los - musste gestern allerdings mit der Vermieterin handeln wie auf einem Basar um 6:45 Uhr rauszuschinden. Das heißt am Wecker stand was mit 5 vorndran - unglaublich! :-/
Der Ort war ganz still, der Nebel zog drüber und dicke Wolken hingen um die Berggipfel. Mit einem kurzen Vergeher nach der Ehrwalder Alm lief es dann problemlos. Den langen Schotterweg wollte ich dann wieder musikalisch beschleunigen. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber wenn die Musik läuft, geht alles leichter.

Freitag, 14. August 2015

Tag 81, vom Luftschneiden und Mauerlaufen

Liebe Tanzbären und Traumtänzerinnen,
nach einem vitaminreichen Traum-Frühstück (weil mit Gurken, Cocktailtomaten, selbstgemachter Marmelade und Marillen, das Balisto hab ich als Jause eingepackt) bin ich den Jakobsweg in Richtung Fernpass losgestartet. Ärmellos schon um 8 Uhr früh verhieß es ein warmer Tag zu werden.
Am Pass versuchte ich dann vergebens einen Weg zu finden, der nicht entlang der Fernpass-Straße verlief. Meine entgegengesetzte Wegbeschreibung bestätigte:"... zur Fernpass-Straße, in die wir ... einschwenken und ihr etwa 1/4 Std. ... folgen (Vorsicht bei Reiseverkehr!)".

Donnerstag, 13. August 2015

Tag 80, mit Musik ins Tal

Liebe Menschen,
bald werden mir meine KollegInnen eine bipolare affektive Störung diagnostizieren oder ich bin einfach höchst resilient.
Auf jeden Fall war ich heute flott am/in Boden. Endlich wieder Empfang um solche Banalitäten wie den Kontostand zu prüfen. Danke guter Geist für die Organisation im Basislager und die nette Stimme am anderen Ende - auch wenn der dazugehörige Kehlkopf gerade vom Frühstücksbrot schlucken abgehalten wurde! :-)

Mittwoch, 12. August 2015

Tag 79, Danke für die Rettung des Tages

Liebe Menschen,
zur Zeit hab ich gerade das Gefühl der Sättigung. Ich freu mich auf das Tal - mal keine Hütte, kein Berg, keine Scharten, Jöchl, Grate oder sonst was Montanes. Auf dem Württemberger Haus gab's nur kaltes Wasser und Dusche im Freien (Duschkopf am Fels). Heute darf man erst ab 16 Uhr duschen. Da fühl ich mich schon fast in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. ;) Außerdem gab's gestern und auch heute Sardinenbetten. Also rund 60 (gefühlte nur halb soviel) Zentimeter pro Person. Das ist hin und wieder okay und gehört dazu, aber nicht der Inbegriff des guten Schlafes.

Nachricht vom guten Geist

Carmen ist OK und wird euch baldigst wieder mit neuem Stoff versorgen!
Solltet ihr eine längere Mobilfunkabstinenz in den Tiroler Bergen anstreben um dem Alltag zu entfliegen, dann empfehlen wir Drei!

Dienstag, 11. August 2015

Tag 78, kurze Etappe im Nebel

Liebe Menschen,
ich hab bestens geschlafen, die Knie waren morgens schmerzfrei und das erste Stück des Weges ging ich noch mit Detlef und Martin. Es war fein mit euch zu gehen, würde mich euch jederzeit wieder anschließen. Danke für alles! :)
Ich hatte heute morgen beschlossen aus Schonungsgründen nur zur Württemberger Hütte zu gehen. Den größten Teil der Strecke ging ich im Nebel. Die Sicht am Weg war dabei nicht sehr eingeschränkt, aber über und unter mir war es halt weiß. Ich fand die Stimmung im Nebel sehr angenehm. Fast ein bisschen geborgen vielleicht. Von heute gibt es sonst nicht viel zu berichten außer, dass die Hütte mal wieder übervoll ist und ich hoffe trotzdem gut zu schlafen.
Alles Liebe,
carmen

Tag 77, Kadavertag mit Bodyguards

Liebe Menschen,
wie erwartet nach zwei durchhasteten Tagen musste ich heute einen Kadavertag ausrufen. Ich hab sogar überlegt auf der Hütte zu bleiben, mich dann aber doch für die 5-stündige  (als schwierig ausgewiesene) Tour entschieden. Vielleicht auch weil ich wusste, dass mehrere Menschen den selbenWeg gehen würden und ich nicht ganz allein am Weg sein würde. Die Knie schmerzten schon bald. Dafür durfte ich vor der Grießlscharte eine sehr große Herde Gemsen beobachten, sogar mit Muttertier und trinkendem Kitz. :)

Tag 76, 3 Hütten vorm Gewitter

Liebe Menschen,
bis auf das Walross im Nebenzimmer, das einen dumpf brummenden Background zu meinen Träumen lieferte, hatte ich eine gute Nacht. :)
In der ersten halben Stunde meines Weges traf ich Daniel, einen Ungaren, der in Frankreich arbeitet und auf der Heimreise einen Zwischenstopp in Tirol machte und gleich noch einen Gipfel mitnahm. Wir plauderten und schnauften  deshalb schwitzend den Berg hinauf. Meine Hemmungen das zerlumpte Englisch, das mir noch geblieben ist, zu sprechen hab ich wohl abgelegt, seit ich mit Roberto deutsch-latenglisch-franko-spanisches Händ-und-Füßisch gesprochen hab. Ein Hoch auf Roberto, den Eisbrecher auf vielleicht mehreren Ebenen (die Dauerleser können sich sicher noch erinnern ;) ). Eine Hangquerung und einen Steig (für Geübte) weiter konnte ich schon die Leutkircher Hütte sehen. Wäre es noch nicht so früh gewesen, wäre ich aufgrund der freundlichen Bedienung gern geblieben, aber so komm ich halt nicht voran. Auch weiter ging's über Serpentinen hoch, entlang steiler Hänge und auf schmalen aber gut begehbaren Steigen zum Kaiserjochhaus. Dort fragte ich um's Wetter und beschloss bei noch geringer Wolkenbildung, aber schon leicht malträtierten Knien, die 4 Stunden auf die Ansberger Hütte noch anzuhängen. Leider bauschten sich die Wolken immer dichter und meine übliche nervöse Gewitterflucht setzte wieder voll ein. Durch das dauernde hochkonzentrierte Gehen auf den schmalen Steigen war mein Kopf schon ausgiebig müde, während die Beine bis auf die schmerzenden Knie noch gut mithielten. Die unzähligen zu querenden Geröllfelder und zum Teil sehr steilen Aufstiege zu mehreren Jochen waren mühsam, dass ich bald nur sehnlich auf's Ankommen hoffte. Ich hatte zwar den letzten Abschnitt in 3 statt 4 Stunden gemeistert, aber die Freude darüber war gering, weil ich mich dabei unnötig verausgabt hatte. Erschöpft hatte ich noch Stunden Zeit das Gewitter näher kommen zu sehen. :-/
Der Wirt der Ansberger Hütte ist ein strenger, aber authentischer älterer Mann, der mir auf seltsame Weise doch sympathisch war auf seine wortkarge, gerade Art - und am nächsten Morgen sollt ich ihn sogar noch lächeln sehen. :)
An meinem mir zugewiesenen Tisch saßen auch Manfred, Martin und Detlef und der Abend verlief sehr angenehm mit anregenden Gesprächen über alles Mögliche.
Ob ich auf der etwas durchgelegenen Matratze eine weitere gute Nacht verbringen werde, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist das Prasseln des Regens am Dach eine angenehme Einschlafhilfe. ;)
Bis bald und alles Liebe
carmen

Samstag, 8. August 2015

Tag 75, wieder mal Gewitterhetze

Liebe Sterndalschauer,
die Nacht war solala. Von Hüttenruhe haben noch nicht alle Hüttengäste was gehört. ;) Meine drei männlichen Zimmerkollegen schnarchten zwar nicht, aber ein bis nach Mitternacht zu vernehmendes Geräusch, das irgendwo zwischen Lungenödem und alter Luftpumpe lag, hauchte mir bei jedem Umdrehen etwas Munterkeit in die Gehörgänge.
Ich habe aufgrund mehrfacher Berichte, dass die Stuttgarter Hütte so überfüllt sei und der angekündigten nachmittäglichen Gewitter, beschlossen gleich direkt zur Ulmer zu gehen. Für den Zürser See und die vielen Murmeltiere, die sich im Gebiet oberhalb zahlreich trollten, nahm ich mir nicht die Zeit, die ich gern dafür gehabt hätte. Dafür für den Postkasten, der einmal jährlich(!) um 16.00 Uhr  geleert wird, und die Aufforderung sich selbst zu schreiben. :)
Ab Zürs waren die bedrohlich hohen Wolkentürme mein Tiroler Empfangskommitee inkl. fernem Gerumpel. Ich hab lang überlegt, ob ich nicht doch nach Stuben absteigen sollte. Nach Befragung anderer Wanderer und meines Telefonjokers für Verzweiflungszustände in allen Lebensbereichen (Danke Steph! :-*), beschloss ich weiterzugehen mit der Option in Rauz Schutz vor eventuellen Gewittern zu finden. Letztendlich hetzte ich bei bedrohlich dunklem Himmel, hungrig und Traubenzucker aufsaugend den Anstieg hoch und verlor im hohen Gras die Markierungen und den Weg - war nicht weiter schlimm, aber nervig. Ich folgte dem Bachlauf (eher ein Rinnsal bei der Trockenheit), der sollte auch zur Hütte führen.
Der Zeitraum zwischen dem ersten Blick auf die Hütte und dem tatsächlichem Ankommen bei ebendieser war erfüllt vom Kampf gegen den Hungerast, den wir gestern so nett erörtert hatten, von Stoßgebeten und einem verzerrten Distanzwahrnehmung bei einsetzendem Schwindel. Irgendwo da muss ich auch die Tiroler Landesgrenze überschritten haben, glaub ich.
Wer behauptet, dass der Weg das Ziel ist, der ist noch nie angekommen. So bin ich schwammig im Kopf in die Hütte gewankt und hab ein Fleischgericht (!) bestellt.
Als ich das Zimmer mit 2 Betten, Waschbecken mit Warmwasser und soooo wahnsinnig viel Platz für mich allein betrat, hörte ich mich sagen: "Oh Gott, i bin im Himm'l!"

Mark hat mich gestern gefragt, ob ich außer bestimmten Menschen etwas vermisse. Falls du das liest, Mark: mein Bett und manchmal geistige Herausforderung. Gestern ist mir nämlich nichts eingefallen. ;)
So, jetzt ist es auch wieder spät - aber heut werd ich wieder himmlisch schlafen
... und das wünsch ich euch auch!
Alles Liebe,
carmen

Freitag, 7. August 2015

Tag 74, das Steinerne Meer - wundervoll!

Liebe Menschen,
die Nacht war nicht die Beste - dabei wird die heutige noch spannender.
Ich war heute schon vom Morgen weg hinterher mit Verschlafen, Sachen einpacken um sie nochmal auspacken zu müssen usw. Der Aufstieg zum Steinernen Meer zieht sich, wenn man ständig damit beschäftigt ist, sich selbst zu erzählen, dass eine nicht so gute Nacht kein Grund ist nicht fit zu sein. Das Steinerne Meer war dann aber so beeindruckend, und ich musste meine Füße gut setzen um nicht in eine der Klüfte zu tapsen. Ich bin oft stehen geblieben um einfach nur zu staunen.

Donnerstag, 6. August 2015

Tag 73, junger Hirte begleitet mich

Liebe Menschen,
heute gibt's nur ein kurzes Post, weil's schon spät ist. ;)
Ich bin von der Biberacher Hütte auf die Göppinger Hütte mit dem Vorsatz bei guter Zeit weiter zu gehen auf die Freiburger. Zeit war gut, obwohl der Abstieg zum Metzgerthörl eher einer gatschigen Bobbahn glich und ich mit einigen Kühen ausdiskutieren musste, wer hier das "Wegerecht" hat. ;)

Mittwoch, 5. August 2015

Tag 72, Steirisches Weitwanderertreffen :)

Liebe Menschen,
gut ausgeschlafen, motiviert und kräftig befrühstückt bin ich heute losgezogen. Dann hab ich auch noch im ersten steilen Anstieg eine ganz liebe Nachricht erhalten, sodass ich lächelnd hochstiefelte. :)
Kurz vor der Zafernalm traf ich zwri Weitwanderer, die den 01er von Osten nach Westen durchgegangen sind. Und dann sind Andi und Stefan auch noch Steirer.

Tag 71, wie am Anfang

Liebe Menschen,
heute war ein zacher Dahindackeltag. Ich hab zwar gut geschlafen, aber war recht müde unterwegs. Gestern Abend bin ich mit den Five Fingers sowas von umgeknickt, dass dunkle Erinnerungen an den Seitenband-Einriss wach wurden. Heute morgen hab ich's anfangs leicht gespürt, war dann wieder weg bis ich nochmal umgeknaxt bin. Zähne z'samm beißen und weiter ging's. Meine heutige Route lag sehr schön in den Bergen des Bregenzer Waldes - ich find die Bergformen und dieses spezielle Grün besonders faszinierend.

Montag, 3. August 2015

Tag 70, wieder unterwegs

Liebe Menschen,
irgendwann hat jede noch so wunderbare Ruhepause ein Ende - das haben Pausen halt so an sich. :)
Ein riesengroßes Danke all jenen, die diese Tage zu unvergesslich schönen gemacht haben: Gretl, Sepp, Bettina, Susi, Roger, Stella, die Katze, die mich gleich mehrmals geküsst hat (hab den Namen vergessen - aber ja, so weit weg von Steph ist ein Katzenschnufler schon was Schönes :-D ), natürlich Mutti und Vati, die so weit angereist sind, und die ich sehr beneidet hab um ihre beiden schönen Touren mit Sepp - und dem herrlichen Garten, in dem ich mich erholen durfte.

Sonntag, 2. August 2015

Tag 68, Bodensee am Abend

Liebe Menschen,
gestern Abend waren wir am Bodensee und die Schweizer feierten ihren Nationalfeiertag mit Feuerwerk und Raketen.
Ein schöner Abend mit fröhlichen und lustigen Menschen! :) Mein Sprachverständnis für das Vorarlbergische wird auch immer besser.
Am Montag geht es dann weiter, den ersten Tag mit Begleitung der Vorarlberger Bergfexin Bettina. :)
Bis dahin alles Liebe!
carmen